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LKOS - Kinderarmut im Blick

 Zugänge schaffen 

 für arme Kinder und Familien 

 im Landkreis Osnabrück 

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Armut ist ein strukturelles Problem

und eine der größten kommunalen Herausforderungen. Der Landkreis Osnabrück widmet sich daher aktiv und systematisch dem Thema Kinderarmut, unter anderem im Rahmen des Konzepts „Präventionsketten“ unter dem Motto „Zugänge schaffen – Barrieren abbauen – Lücken schließen!“.

Mit Hilfe dieser Checkliste können Sie Ihre Arbeit für und mit armen Familien überprüfen und Ihren Blick und Ihr Handeln kritisch hinterfragen:

Was kann ich im Arbeitsalltag tun, damit arme Kinder und ihre Eltern am gesellschaftlichen Leben besser teilhaben können?

Nutzen Sie die nachfolgende Checkliste, um bestehende und zukünftige Angebote und Leistungen zu überprüfen – oder aber neue Projekte armutssensibel zu gestalten!

WIE KÖNNEN SIE DIESE CHECKLISTE NUTZEN?

  • Zur kritischen Auseinandersetzung bei der
    Neu-/Weiterentwicklung und Konzeption von Leistungen
  • Zur kritischen Überprüfung bestehender Leistungen, insb. auch daraus entstehender (Folge-)Kosten für Familien
  • Als Reflexionsgrundlage für Ihre Kenntnis über und Zusammenarbeit mit armen Familien
  • Als Gesprächsgrundlage mit Kolleg*innen

WELCHE VERWALTUNGSAUFGABEN LASSEN SICH DAMIT ÜBERPRÜFEN?

  • Verfahren(swege) / Abläufe der Leistungserbringung
  • Formulare
  • Leistungen
  • Angebote für Kinder und Familien
  • Veranstaltungen

Warum diese Checkliste?

Armut ist ein strukturelles Problem und eine der größten kommunalen Herausforderungen. Der Landkreis Osnabrück widmet sich daher aktiv und systematisch dem Thema Kinderarmut, u.a. im Rahmen des Konzepts „Präventionsketten“ unter dem Motto „Zugänge schaffen – Barrieren abbauen – Lücken schließen!“.

In Ergänzung zum 2019 verabschiedeten Leitbild gegen Kinderarmut nähert sich diese Webseite dem Themenkomplex von einer praktischen, im Verwaltungsalltag umsetzbaren Seite – und zwar in Form einer Checkliste für den Arbeitsalltag.

Diese Checkliste sensibilisiert Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter für die Arbeit für und mit armen Familien. Dabei geht es vor allem darum, die Teilhabe armer Familien in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens sicherzustellen, ihnen Zugänge zu Leistungen des Unterstützungssystems zu schaffen und eventuelle Versorgungslücken zu schließen.

Mit dieser Arbeitshilfe hat die Verwaltung des Landkreises Osnabrück einen fachdienstübergreifenden Ansatz erarbeitet, mit dem bestehende und zukünftige Angebote, Leistungen und Planungen im Hinblick auf eine armutssensible Ausrichtung überprüft und konzipiert werden können.

Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Fragesystematik zur Reflexion und zum Diskurs in allen Referaten und Fachdiensten anregen und eine Überprüfung der eigenen Handlungs- und Arbeitsweise innerhalb der Verwaltung befördern soll. Es soll nicht darum gehen, zukünftig alle Aktivitäten im Landkreis ausschließlich auf arme Familien hin auszurichten – vielmehr ist das Ziel, sich ihrer Situation bewusst zu werden und insbesondere ihnen eine bessere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen!

Diese Checkliste kann und soll das Auftreten von Armut nicht verhindern – wohl aber den Umgang mit ihr verändern. Neben einem sensibleren Umgang mit dem Thema braucht es grundsätzlich bessere (bundespolitische) Rahmenbedingungen, die dem Ursprung von Kinder- und Familienarmut konsequent entgegenwirken!

grafik kinderarmut123 - Kinderarmut im BlickKinderarmut – Warum ist das Thema so wichtig?

Armut weckt zunächst die Assoziation mit einem Mangel an Geld, und auch im Verwaltungsalltag wird die Kategorie Einkommensarmut in der Regel hinzugezogen, um das Ausmaß an Betroffenheit innerhalb bestimmter Bevölkerungsgruppen abzuschätzen (z. B. SGB II-Quoten, relative Armutsquote in Form von Einkommensvergleichen, Schichtindizes, …). Doch die Folgen von Armut sind weitaus vielschichtiger als Geldknappheit:  Denn Armut wirkt sich vor allem auch negativ auf die Chancen auf Bildung, Gesundheit und soziale Beziehungen aus. Für Kinder bedeutet das Aufwachsen in einer armen Familie besonders schwere Folgen – für ihre aktuelle Entwicklung und ihre spätere gesellschaftliche Situation.

Armut zeigt sich im Alltag von Familien manchmal sehr deutlich, manchmal aber eben auch versteckt – vor allem dann, wenn das wirtschaftliche Einkommen einer Familie am unteren Rand liegt, oder sie Leistungen des SGB II nicht in Anspruch nehmen. Nicht alle Familien kennen eventuelle Unterstützungsansprüche oder wollen sie in Anspruch nehmen.

 

Arme Kinder sind Teil armer Familien, daher sollten immer beide Gruppen Beachtung finden. Häufig erleben sie im Alltag

  • finanziellen Druck (Geld genügt nicht für angemessenen Wohnraum, unvorhersehbare Ausgaben, Reparaturen oder ausgewogene Ernährung. Auch kleinere Wünsche der Kinder können nicht erfüllt werden.),
  • materiellen Mangel (Wichtige Anschaffungen können nicht getätigt werden.),
  • geringe Handlungsspielräume (Sparen für die Zukunft bzw. Bildung von anlassbezogenen Rücklagen ist nicht möglich.),
  • soziale Isolation (Unterstützungsnetzwerke bestehen kaum. Teilnahme an kulturellen und anderen Freizeitaktivitäten ist selten möglich. Einladungen anderer Personen müssen abgelehnt werden.),
  • Scham (Kinder und Eltern erleben Erklärungsnot gegenüber Behörden, Institutionen, Fachkräften, Verwandten, Gleichaltrigen.) sowie
  • Diskriminierung (Familien fühlen sich von Institutionen abgelehnt oder ausgegrenzt.).

Kinderarmut und Verwaltungshandeln – Wo lässt sich ansetzen?

Die fachdienstübergreifend besetzte Arbeitsgruppe Präventionsketten hat beispielhaft relevante verwaltungsbezogene Arbeitsfelder und Aufgaben gesammelt, in denen das Thema Kinderarmut eine direkte oder indirekte Rolle spielt. Obwohl kein Anspruch auf Vollständigkeit besteht, wird deutlich: In allen Fachdiensten und Referaten gibt es Berührungspunkte!

Fachdienste / Organisationseinheiten Beispiele (kein Anspruch auf Vollständigkeit)
Anträge / Antragsverfahren MaßArbeit kAöR Leistungsbereich SGB II
Erreichbarkeit/Zuständigkeit der Außenstellen
SGB II Grundsicherungsleistungen
Bildungs- und Teilhabeleistungen
Einmalige Leistungen (z.B. Möbel, Umzug)MaßArbeit kAöR
Kostenübernahme f. Bewerbungen
Bezuschussung (z.B. ÖPNV, ggf. Führerschein)
Beihilfen Arbeitsaufnahme
Beteiligung an Förderprogrammen / Einreichung von Projektanträgen FD Jugend, FD Gesundheit,
Referat für Strategische Planung
Kindergarteneingangsuntersuchung
Mittel des Europäischen Sozialfonds (ESF)
Neu-/Weiterentwicklung von Unterstützungsleistungen MaßArbeit Migrationszentrum,
Referat für Strategische Planung,
FD Jugend, FD Bildung, Kultur und Sport, FD Gesundheit
Zugänge zu Bildungs- und Förderangeboten (Sprache, Arbeitsmarktintegration, …)
Ehrenamt
Angebote im Sozialraum
Angebote über die Frühen Hilfen
Angebote im Familienzentrum / in der KiTa
Angebote in der Schule
Individuelle Beratung / Kontaktaufnahme MaßArbeit kAöR,
MaßArbeit Migrationszentrum
Arbeitsvermittlung
Begleitung bei Antragsstellung
Beratung von Migrant*innen 
Schriftverkehr / Telefonate
Qualifizierungsangebote für Fachkräfte FD Soziales, FD Jugend, FD Bildung, Kultur und Sport, FD Gesundheit
Volkshochschule Osnabrücker Land
Referat für Strategische Planung
Fachtage
Fortbildungen
Informationsmaterial alle Flyer
Broschüren
Plakate
Website
Planungsvorhaben FD Soziales, FD Jugend, FD Ordnung, FD Planen und Bauen, FD Straßen Sozialplanung
Jugendhilfeplanung
Stadtplanung / Bauplanung / Wohnraumerschließung
Verkehrswegeplanung
ÖPNV FD Straßen Kostenbefreiung
Örtliche Erreichbarkeit: Abstimmung Netz und Beratungsorte
Gesellschaftliche Partizipation FD Ordnung Aufgaben der/des Integrationsbeauftragte*n 

Kinderarmut im Landkreis Osnabrück – Wie ist die aktuelle Situation?

Im bundesweiten Vergleich ist die Kinderarmutsquote des Landkreises Osnabrück mit 7,27 %[1] vergleichsweise niedrig (BRD: 14,29 %[2]). Dennoch gibt es großen Handlungsbedarf! Es existieren deutliche Unterschiede zwischen den Landkreisgemeinden und auch innerhalb der Ortschaften und Nachbarschaften. Besonders häufig von Armut betroffen sind Kinder aus alleinerziehenden Familien, Kinder mit mehr als zwei Geschwistern und Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund.

[1] Quelle [2] Bundesagentur für Arbeit (2019)

SG = Samtgemeinde

Datenbasis
Statistik Bundesagentur für Arbeit: Bestand an Personen unter 15 Jahren in SGB II-Bezug
Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit: Bestand an Personen (PERS) unter 15 Jahren, revidierte Zahlen des Berichtsmonats Dezember 2019, Daten nach Wartezeit von 3 Monaten, Auftragnummer 305371.
Eigene Berechnungen des Landkreises Osnabrück, Jugendamt (Janna Fabian)
Bevölkerungsbestandszahlen vom 31.12.2019
Quelle: Landesamt für Statistik Niedersachsen (Onlinedatenbank – Tabelle A100002G) und Statistisches Bundesamt (Gensis-Online – Tabelle 12411-0005)
Zusammenstellung: Landkreis Osnabrück, Referat für Strategische Planung (Bernward Lefken)

Nutzen Sie unsere Checkliste

Zur Checkliste

DOWNLOADS

Leitbild gegen Kinderarmut

Mit dem Leitbild gegen Kinderarmut möchte der Landkreis Osnabrück ein gemeinsames Verständnis von Kinderarmut entwickeln. Darüber hinaus bildet es die Basis für alle Umsetzungsschritte im Rahmen von Armutsprävention für Kinder und Familien.

Nutzen Sie das Leitbild, um sich tiefer mit dem Thema Kinderarmut auseinanderzusetzen.

Checkliste in Kurzform

Anhand der Checkliste können Sie Ihre Arbeit für und mit Familien überprüfen: Was kann ich im Arbeitsalltag tun, damit arme Kinder und ihre Eltern am gesellschaftlichen Leben besser teilhaben können?

Mit dieser Variante erhalten Anwender*innen, die bereits mit dem Thema Kinderarmut und dieser Checkliste selbst vertraut sind, eine Kurzversion für die alltägliche Arbeit.

Checkliste in Langform

Anhand der Checkliste können Sie Ihre Arbeit für und mit Familien überprüfen: Was kann ich im Arbeitsalltag tun, damit arme Kinder und ihre Eltern am gesellschaftlichen Leben besser teilhaben können?

Mit der Langversion erhalten Sie umfassende Informationen zum Thema, die Sie im Arbeitsalltag unterstützen!

Gesagt – Getan.

Wieso? Weshalb? Warum? Diese und weitere Fragen zur „Checkliste Armutssensibilität“ werden kurz und knapp beantwortet und geben spannenden Einblick in ihre Entstehung.

Unter dem Motto „Gesagt – Getan.“ stellen Kommunen aus ganz Niedersachsen ihre gelungene Präventionsketten-Arbeit vor.

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